Bahnwanderweg, Semmering, © Niederösterreich Werbung/Michael Liebert

Entlang der Semmeringbahn zum Seewirtshaus wandern

Am Bahnwanderweg erkunde ich die Landschaft des Semmering-Rax Gebiets, staune über die beeindruckende Semmeringbahn und speise in einem Bauernhaus aus 1666.

Beruhigend und monoton rattert der Zug über die Viadukte und Steinbrücken der Semmeringeisenbahn. Vor dem Zugfenster zieht die beeindruckende Landschaft des Gebirgspasses vorüber. Auch wenn ich schon oft auf dem berühmten Abschnitt der Südbahn unterwegs war, schaue ich gebannt hinaus. Immerhin befinde ich mich mitten im Weltkulturerbe, auf einer Strecke, deren Bau vor 170 Jahren noch unmöglich schien. Einen kleinen Abschnitt davon werde ich heute am Bahnwanderweg zu Fuß erkunden.

Wandern am Bahnwanderweg, © Niederösterreich Werbung/Claudia Schlager
Wandern am Bahnwanderweg

Die Semmeringbahn werde ich dabei nur selten aus den Augen verlieren. Denn der zehn Kilometer lange Wanderweg zwischen Breitenstein und Semmering verläuft vorwiegend entlang der historischen Bahnstrecke. Geübte Wanderer können auch in Gloggnitz oder Payerbach starten, oder legen die Strecke als Teil des Wegs am Wiener Alpenbogen (einem 300 km langen Weitwanderweg) zurück. Start- und Endpunkte am Bahnwanderweg sind übrigens stets Bahnhöfe, weswegen sich die öffentliche An- und Abreise optimal anbietet.

Die Semmeringbahn aus allen Blickwinkeln entdecken

In Breitenstein steige ich aus. Verlasse den Bahnhof, kurz darauf den Ort. Bald kreuzt das Kalte Rinne Viadukt meinen Weg und gibt einen imposanten Einblick in die technischen Leistungen zur Zeit des Bahnbaus. Ein Stück weiter liegt das Untere Adlitzgraben Viadukt, eines meiner Highlights am Bahnwanderweg. Stück für Stück rückt das Viadukt in mein Blickfeld, bis ich es an der höchsten Stelle des Wegs ganz überblicke. Kurz darauf stehe ich neben den Gleisen, später unter den hohen Steinbögen, die sich über die Straße spannen.

Viadukt der Semmeringeisenbahn im Adlitzgraben, © Niederösterreich Werbung/Claudia Schlager
Viadukt der Semmeringeisenbahn im Adlitzgraben

Nach dieser „Vorstellung“ entfernt sich der Wanderweg von den Schienen. Auf einem schmalen Weg wandere ich durch den Wald. Schneeheide zu beiden Seiten taucht den Boden in ein sattes Grün. Es ist ruhig, nur das Zwitschern der Vögel und das Rauschen des Windes sind zu hören. Darunter mischt sich das Geräusch der Züge, die über die nahe liegenden Schienen fahren.

Berühmte Aussichten am Bahnwanderweg

Erst beim 20 Schilling Blick bleibe ich stehen. Schaue zu Rax und Schneeberg und beobachte, wie ein Zug im Weinzettel Tunnel verschwindet und kurz darauf das Kalte Rinne Viadukt überquert. Der Ausblick hier ist berühmt und das zurecht.

20 Schilling Blick am Bahnwanderweg Semmering, © Niederösterreich Werbung/Claudia Schlager
20 Schilling Blick am Bahnwanderweg Semmering

Aber auch die Ausblicke, die noch folgen, wie bei der Aussichtswarte am Doppelreiterkogel, haben viel zu bieten. Jetzt rücken vor allem die Jahrhundertwendebauten des Semmerings in den Vordergrund – das imposante Südbahnhotel, oder das Kurhotel, an dessen Fassade ich staunend vorbei gehe. Nach rund einer Stunde taucht der Bahnhof Semmering vor mir auf, der Endpunkt meiner Wanderung.

Südbahnhotel, Semmering, © Niederösterreich Werbung/Claudia Schlager
Südbahnhotel, Semmering

Gemütliche Einkehr im Seewirtshaus Semmering

Noch lasse ich den Bahnhof links liegen. Ich folge dem Schild in Richtung Passhöhe und mobilisiere meine letzten Kräfte. Rund 15 Minuten geht es aufwärts, hinein in den lebendigen Tourismusort. Dort wartet meine letzte Belohnung: das Seewirtshaus.

Prominent steht das Holzhaus am Fuße des Hirschenkogels. Hinter dem Gebäude bringen Gondeln sportbegeisterte Gäste auf den Zauberberg (wie der Hirschenkogel noch genannt wird). Neben der Terrasse des Wirtshauses liegt ein kleiner Speicherteich. Die Lage am Wasser ist reizvoll und wäre es nicht schon kühl, hätte ich mich sofort draußen an einen Tisch gesetzt. So gehe ich zum Eingang und ins Wirtshaus.

Seewirtshaus, Zauberberg Semmering, © Niederösterreich Werbung/Claudia Schlager
Seewirtshaus, Zauberberg Semmering

Zum Glück. Denn das Seewirtshaus muss man einfach von innen gesehen haben. Mit dem Schließen der Tür lasse ich die belebte Welt hinter mir. Die Downhillfahrer und Action des Zauberbergs. Der Gastraum ist klein und gemütlich, der obere Stock kaum sichtbar und über eine Holzstiege zu erreichen. Das rustikale Holz an den Wänden strahlt Wärme aus, die schweren Deckenbalken und kleinen Doppelfenster stehen im völligen Kontrast zu den übrigen, neuen Bauten auf der Passhöhe Semmering.

Ein altes Bauernhaus am Zauberberg

1666 wurde das steirische Bauernhaus ursprünglich erbaut, irgendwo zwischen Mürzzuschlag und Hönigsberg, verrät mir später die Chefin des Hauses. 1999 ließ es ihr Mann an heutiger Stelle wieder aufbauen und eröffnete darin das Seewirtshaus. Begeistert schaue ich mich um und lasse die besondere Atmosphäre des kleinen Lokals auf mich wirken. Ein älteres Ehepaar sitzt in einer gemütlichen Ecke bei einem Glas Wein und Kerzenschein, am Nebentisch lassen zwei Damen ihre Wanderung bei einem Kaffee ausklingen. Ich tue es ihnen gleich, entscheide mich aber zuvor noch für ein Beef Tatar (leicht scharf, wie ich es gerne mag) und eine köstlich knusprige Forelle.

Forelle mit knusprigen Mandeln, © Niederösterreich Werbung/Claudia Schlager
Forelle mit knusprigen Mandeln

Nach dem Kaffee breche ich auf. Kurz bleibe ich am Ufer des Speicherteichs stehen und schaue über das Wasser hinüber zum alten Gebäude des Wirtshauses und den Bergen. Mittlerweile ist es im Ort ruhiger geworden. Auch ich bin ausgeruht und beginne gestärkt das letzte Stück meines Wegs zum Bahnhof Semmering, von wo aus ich meine Heimreise antrete.

 

Seewirtshaus

Das Seewirtshaus am Fuße des Zauberberg Semmering liegt direkt an einem idyllischen Speicherteich. In dem historischen Bauernhaus aus dem Jahre 1666 wird heute ein ausgezeichnetes Wirtshaus geführt, das mit urigem Charme, wohlgefülltem Weinkeller und schöner Terrasse überzeugt. Großen Wert wird auf regionale Speisen, etwa Ragout vom Semmeringer Maibock oder im Ganzen gebratene „Steinhauser“-Forelle gelegt. 

 

Bahnwanderweg am Wiener Alpenbogen

Routentipp: Bahnwanderweg (10 km, 3,5 Stunden, mittlerer Schwierigkeitsgrad)

Wissenswertes: Audio-Guide Semmeringbahn

Weitere Wanderstrecken: Weitwanderweg Wiener Alpenbogen | Breitenstein bis Gloggnitz | Breitenstein bis Payerbach

Öffentliche Anreise: ÖBB-Fahrplanabfrage

Streckeninformation | Wander-App