Mo(h)n amour

Das schwarze Gold des Nordens: Den Waldviertler Graumohn liebt man seines besonderen Aromas und der vielfältigen Zubereitung wegen.

Rot, Weiß, Rosa, Lila: Im Juli macht der blühende Mohn im Waldviertel durch ein prächtiges Farbenspiel auf sich aufmerksam. Aber auch kulinarisch weiß die altehrwürdige Kulturpflanze zu begeistern – vor allem, wenn ein Waldviertler Koch sie zubereitet.

Mohn wird in Niederösterreich hauptsächlich im Waldviertel angebaut. Und das seit vielen Jahrhunderten. Schon im frühen Mittelalter kultivierten hier die Mönche den Graumohn, einerseits um aus seinem milchigen Saft Schlaf- und Heilmittel gegen Schmerzen zu gewinnen und andrerseits um aus dem Öl Brennstoff für das „Ewige Licht“ in den Kirchen herzustellen. Heute wird der Waldviertler Graumohn hauptsächlich kulinarisch genutzt, innerhalb der EU ist er sogar als Marke geschützt.

Lob der Langsamkeit

Die Temperaturschwankungen und kargen Böden des Waldviertels sorgen dafür, dass der Mohn zwar nur langsam, dafür aber in höchster Qualität wachsen kann. Ausgesät wird er im April, die spektakuläre Blüte folgt Anfgang bis Mitte Juli, und geerntet wird der Graumohn vier bis sechs Wochen später. Kulinarisch verarbeitet werden vom Mohn die hocharomatischen, süßlich-herb schmeckenden Samen, die entweder zu Öl gepresst oder gemahlen werden. Der Waldviertler Graumohn ist in geschmacklicher Hinsicht seinen Verwandten, dem weißen und dem blauen Mohn, überlegen. Zudem ist er besonders reich an Eiweiß, Zucker, Mineralstoffen und organischen Säuren. Das lässt ihn besonders mild und voll-nussig im Geschmack erscheinen. Am besten bei einer Mohnverkostungs selbst den Beweis antreten! 

Vielfältig im Genuss

Aufgrund der langen Erfahrung mit dem Mohn, weiß man in den Waldviertlern Küchen kompetent mit ihm umzugehen. Was sehr praktisch ist, denn kaum ein anderes landwirtschaftliches Produkt bietet so vielfältige Einsatzmöglichkeiten wie der Mohn. Gut macht er sich in Knödeln, Tatschkerln, Strudeln, Nudeln und Zelten. Letztere beiden gelten als besonders waldviertlerisch, nicht nur, weil sie hier kreiert worden sind, sondern weil sich ihnen mit dem Mohn und den Erdäpfeln zwei Waldviertler Viktualien zu besonderem Wohlgeschmack vermählen.

Besonders hoch in Ehren und oft in der Speisekarte steht der Mohn beim Mohnwirt Neuwiesinger im Mohndorf Armschlag, das das Epizentrum der Waldviertler Mohnkultur bildet. Der Gasthof „Zum Goldenen Löwen“ in Maria Taferl pflegt Mohnklassiker wie die Waldviertler Mohntorte und Neukreationen wie ein Graumohnparfait mit Schokokern und Baileysschaum. Im Landgasthof „Zum Topf“ in Vitis findet man eine Erdäpfel-Mohntorte nach altem Hausrezept mit hausgemachtem Sauerrahmeis. Und auf die Kombination Mohn und Zwetschken schwören sowohl das Wirtshaus Hirsch Delikatessen in Groß Gerungs (Mohnnudeln mit hauseigenen Zwetschkenröster, Zwetschken-Mohn-Marmelade und Zwetschken-Mohn-Chutney) als auch das Gasthaus Gutmann in Zöbing (Mohn-Honigschmarrn mit Zwetschkenröster und Mohn-Zwetschkeneisbecher aus hausgemachtem Mohn- und Zwetschkeneis, kaltem Zwetschkenragout und Mandelzwieback).